Walter Fleming   -   Die Zeit   (um 1870)

Ihr lebet in der Zeit - und kennt doch keine Zeit.
So wißt - ihr Menschen - nicht, von und in was ihr seid.

Dies wißt ihr, daß ihr seid in einer Zeit geboren
und werdet auch in einer Zeit verloren.
Was aber war die Zeit, die sich in euch gebracht?
Was wird jene sein, die euch zu nichts mehr macht ?

Ihr seid, was die Zeit - und die Zeit ist, was ihr seid.
Nur - daß ihr viel wen'ger noch als was die Zeit ist, seid.
Der Mensch ist in der Zeit, sie ist in ihm in gleichem.
Nur muß der Mensch, wenn sie noch bleibet, weichen.

Die Zeit stirbt in sich und zeugt sich auch aus sich
dies kommt aus mir und dir, von dem du bist und ich.

Ach, daß doch die Zeit, die ohne Zeit ist, käme
und uns aus unsrer Zeit in ihre Zeiten nähme.
Auf daß aus uns selbsten uns wir gleich ihr könnten sein -
wie soviel aus jener Zeit - die keine Zeit geht ein.
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